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Die Zukunft ist jetzt: Welche Unternehmen sich heute schon mit CSR-Berichterstattung auseinandersetzen müssen

Die Uhr tickt – ab 2026 wird die "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD) der EU jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern dazu verpflichten, einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen. Dieser Schritt markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschäftswelt, aber warum sollten Unternehmen nicht bis dahin warten, um ihre Nachhaltigkeitsaspekte offenzulegen?

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Die wichtigsten Punkte:

  • Eine EU-weite Vorgabe namens “Corporate Sustainability Reporting Directive” (CSRD) verlangt von jedem kapitalmarktorientierten Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern ab spätestens 2026 einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht.
  • Für den Bericht gibt es einen detaillierten Standard (namens ESRS), an dessen Vorgaben sich alle berichtspflichtigen Unternehmen halten müssen.
  • Einen Nachhaltigkeitsbericht bereits vorher freiwillig zu erstellen, auch ohne berichtspflichtig zu sein, kann jedoch verschiedene Vorteile haben, wie bspw. Effizienzsteigerungen, Wettbewerbsvorteile oder Einsparungen an Finanzierungskosten.

Was ist die CSRD?

Die sogenannte “Corporate Sustainability Reporting Directive” (CSRD) setzt sich als Ziel, die Berichterstattung bezüglich Nachhaltigkeit mit der Finanzberichterstattung gleichzustellen und ist ab dem 01.01.2024 anzuwenden. Sie löst die bisher geltende “Non Financial Reporting Directive” (NFRD) schrittweise ab. Zudem basiert die CSRD auf der EU-Taxonomieverordnung, insbesondere auf dem Artikel 9, welcher sich die Umweltziele “Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Wasser- und Meeresressourcen, Kreislaufwirtschaft, Umweltverschmutzung und biologische Vielfalt und Ökosysteme” setzt. Konkret ist die CSRD ein Regelwerk für Unternehmen, welches beschreibt, inwiefern und wie genau Unternehmen über Nachhaltigkeitsthemen berichten müssen. Dazu gehören solche Aspekte, die wesentlich für 1) das Geschäftsergebnis, oder auch 2) ökologisch bzw. 3) sozial wesentlich sind. Hierbei reicht es für die Berichtspflichtigkeit aus, wenn ein Unternehmen eines der drei Kriterien erfüllt.

Doch welche Unternehmen sind überhaupt berichtspflichtig?

Hier muss zunächst unterschieden werden zwischen Unternehmen, die eine sogenannte “Public Interest Entity” (PIE) oder keine PIE sind. Eine PIE sind alle kapitalmarktorientierten Unternehmen, Banken, Versicherungen und Unternehmen, die von einem Mitgliedsstaat als PIE definiert wurden. Eine "kapitalmarktorientierte" Kapitalgesellschaft ist ein Unternehmen, das bestimmte Buchführungs- und Bilanzierungsstandards, bekannt als International Financial Reporting Standards (IFRS), befolgen muss. Um als kapitalmarktorientiert zu gelten, muss das Unternehmen an einem organisierten Markt handelbare Wertpapiere ausgeben oder die Zulassung solcher Wertpapiere zum Handel an einem organisierten Markt beantragt haben. Dies betrifft in der Regel börsennotierte Unternehmen und solche, die Wertpapiere wie Aktien, Genussscheine, Optionsscheine, Unternehmensanleihen und Zertifikate ausgeben und an einem Markt gehandelt werden können. Darüber hinaus wird zwischen der genauen Größe der Unternehmen unterschieden:

Übersicht: Welches Unternehmen ist ab wann berichtspflichtig?

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Deutlich wird hierbei, dass nur Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bisher nach der NFRD berichtspflichtig waren - der Kreis an betroffenen Unternehmen wird also wesentlich erweitert. Auch wurde bisher nur geregelt, welche Informationen die Unternehmen aufnehmen müssen, wie sie dies tun, war ihnen bisher selbst überlassen. So gab es eine große Bandbreite an Standards, welche die Unternehmen nutzen konnten, je nachdem welcher Standard am besten zu ihrer Branche, Unternehmensform, etc. passte.

Mit der CSRD werden den Unternehmen jedoch einheitliche Standards vorgelegt, nach denen sie bilanzieren müssen: die sogenannten “European Sustainability Standards” (ESRS). Die Entwürfe für diese Standards wurden von der sogenannten “European Financial Reporting Advisory Group” (EFRAG) entwickelt.

Das erste Set an einheitlichen Standards (ESRS Set 1) wurde am 31.07.2023 veröffentlicht, die Bekanntmachung im EU-Amtsblatt und damit das offizielle Inkrafttreten steht noch aus. Zum ersten Mal liegen nun so für alle geltende, einheitliche Standards vor, welche folgenden Aspekte aufgreifen:

Übersicht: Vorgaben der European Sustainability Standards, Set 1

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Auch enthalten die ESRS, Set 1 allgemeine Anforderungen und Grundsätze sowie Anlagen/erläuternde Papiere darüber welche Informationen nötig sind (welche sind verpflichtend/nur bei Wesentlichkeit erforderlich) welche Informationen zunächst nicht notwendig sind (in den ersten Jahren) ob und welche Verweise möglich sind ob und welche Vergleichswerte notwendig sind.

Wie kann ich mich bereits auf die Berichtspflicht vorbereiten?

Da die Richtlinien bereits am 01.01.2024 eintreten, stellen sich viele Unternehmen die Frage “Welche ersten Schritte kann ich jetzt tun?”. In Zusammenarbeit mit neosfer Insights haben wir folgende Schritte identifizieren können:

  1. Kategorisierung des Unternehmens: Ob und inwiefern ist das Unternehmen ab wann berichtspflichtig?
  2. Begreifen der Berichtsstandards: Welche Standards gelten für das Unternehmen?
  3. Messen der (Umwelt-)Leistung: In welchem Ausmaß wird welche Kennzahl (“Key Performance Indicator”, KPI) der ESRS erfüllt?
  4. Zielsetzung: Bis wann soll welches KPI inwiefern verbessert werden?
  5. Überwachung der relevanten KPI's und kontinuierliche Verbesserung/Überarbeitung

Warum sollte ein Unternehmen freiwillig einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?

1. Effizienzsteigerung: Häufig gehen Nachhaltigkeitsinitiativen mit einer gesteigerten Effizienz im Umgang mit Ressourcen einher. Ein ESG-Bericht gestattet es Unternehmen nicht nur, einen ersten Anhaltspunkt zu erhalten, welche Anlagen die meisten Ressourcen verbrauchen, sondern auch ihre Erfolge in Bezug auf Energieeinsparung, Abfallreduktion und ökologische Effizienz festzuhalten und zu veröffentlichen.

2. Wettbewerbsvorteil: Die freiwillige Berichterstattung ermöglicht Unternehmen, sich von ihren Konkurrenten zu differenzieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, da ESG-Kriterien einen wachsenden Einfluss auf die Entscheidungen von Kunden und Investoren haben. Dies wird durch eine Umfrage von Oracle im Jahr 2022 gestützt, die zeigt, dass 65% der Verbraucher bereit wären, ihre Loyalität gegenüber einer Marke aufzugeben, wenn diese keine ernsthaften Maßnahmen im Bereich Umweltschutz und soziale Verantwortung ergreift.

3. Risikomanagement: Die Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts ermöglicht es Unternehmen, eine verbesserte Identifikation und Bewertung ihrer Umwelt- und Sozialrisiken vorzunehmen. Auf dieser Grundlage können sie gezielte Maßnahmen ergreifen, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.

4. Zukünftige Reportingpflicht: Auch wenn ein Unternehmen jetzt noch nicht berichtspflichtig ist, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft berichtspflichtig werden. Daher ist es sinnvoll, sich schon so früh wie möglich auf die kommende Reportingpflicht vorzubereiten und sich damit auseinanderzusetzen, welche Daten konkret benötigt werden. So ist der Übergang hin zur Berichtspflicht fließender und weniger aufwendig. Vor allem die Suche nach den richtigen Datensätzen ist so um einiges leichter.

5. Mitarbeiterbindung und -gewinnung: Nachhaltigkeitsinitiativen spielen für viele Mitarbeiter eine entscheidende Rolle bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Die Offenlegung der Unternehmensstrategie und Erfolge im Bereich Nachhaltigkeit ermöglichen es Unternehmen, ihre soziale und ökologische Verantwortung zu demonstrieren und sich somit einen Wettbewerbsvorteil im "War for Talents" zu sichern. Eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2021 ergab, dass 52% der potenziellen Mitarbeiter nicht-nachhaltige Unternehmen von vornherein als Arbeitgeber ausschließen. Daher werden die Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens bereits vor der Bewerbung kritisch betrachtet. Darüber hinaus stärkt die Berücksichtigung persönlicher Werte innerhalb des Unternehmens die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen und fördert die Mitarbeiterbindung.

6. Innovationspotenzial: Häufig erfordert die Verfolgung von Nachhaltigkeit den Einsatz innovativer Lösungen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Die Erfassung von ESG-Daten ermuntert Unternehmen dazu, sich intensiver mit nachhaltiger Innovation auseinanderzusetzen und dabei ihr Potenzial für neue Geschäftsmöglichkeiten zu erkennen.

7. Vorteile bei der Kreditfinanzierung: Nachhaltigkeit kann auch Finanzierungskosten senken: Banken geben immer mehr Kredite aus, bei denen nachhaltige Unternehmen von niedrigeren Zinsen profitieren: VolumenESGKrediteWhiteLabel.png

Auch emittieren Banken vermehrt solche Kredite, bei denen die Konditionen auch von der Erreichung bestimmter umweltfreundlicher, sozialer oder ethischer Ziele abhängen. Allein in Europa hat sich das Volumen solcher ESG-gebundenen Finanzierungen (Environmental, Social, Governance) für Unternehmen innerhalb von zwei Jahren fast vervierfacht. Von 27 Milliarden Euro im Jahr 2017 stieg es auf beeindruckende 102 Milliarden Euro im Jahr 2019. Auf globaler Ebene verzeichnete dieser Trend sogar noch höhere Wachstumsraten.

Angesichts der aktuellen Wachstumszahlen ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis sich nachhaltige Finanzierungen im Alltag etablieren

ChristianGraf.png Dr. Christian Graf, Bain-Partner und Co-Autor der Studie „Higher Value, Lower Risk: ESG Finance Moves to the Banking Mainstream“.

8. Transparenz, Glaubwürdigkeit, Reputation: Die freiwillige Veröffentlichung eines ESG-Berichts signalisiert die Transparenz eines Unternehmens und steigert sein Ansehen bei Kunden, Investoren und anderen Stakeholdern. Unternehmen, die proaktiv ihre Nachhaltigkeitsleistung kommunizieren, haben die Möglichkeit, ihren Ruf und ihr Ansehen zu stärken. Die ESG-Berichte unterstreichen, dass das Unternehmen nicht nur auf finanzielle Kennzahlen fokussiert ist, sondern auch sein Engagement für Umweltschutz und soziale Verantwortung demonstriert. Unternehmen haben die Möglichkeit, in ihren Berichten ihren gesellschaftlichen Beitrag zu dokumentieren und zu verdeutlichen, dass sie über finanzielle Gewinne hinausgehen und zur Bewältigung globaler Herausforderungen beitragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass spätestens ab 2026 jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern berichtspflichtig sein wird und es daher Sinn macht, sich bereits vorher mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinanderzusetzen.

Um die natürlichen Ressourcen der Erde zu schützen, haben wir passende Partner für das Reporting, aber auch beispielsweise für eine nachhaltigere Produktion oder gesteigerte Energieeffizienz zusammengestellt. Diese Liste an innovativen, nachhaltigkeitsfördernden Unternehmen wird stetig erweitert und lässt sich auf unserer Impact Solutions Plattform finden.

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