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Wie helfen die Sustainable Development Goals (SDGs) unserer Wirtschaft?

Die 17 Nachhaltigkeitsziele wurden ins Leben gerufen, um wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen und weltweit gültige Prioritäten und Ziele bis zum Jahr 2030 festzulegen. Die Sustainable Development Goals bieten eine Gelegenheit, Armut zu überwinden und die Welt auf einen wirtschaftlich nachhaltigen Kurs zu lenken. Alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich zu diesen Zielen verpflichtet, und nun ist es an der Zeit, dass die Wirtschaft entsprechende Maßnahmen ergreift.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die 17 Sustainable Development Goals bieten einen klaren Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030.
  • Unternehmen, die die Ziele für nachhaltige Entwicklung umsetzen, erschließen Wachstumschancen und verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit.
  • Die gezielte Identifikation und Integration relevanter SDGs entlang der Wertschöpfungskette ist entscheidend.
  • Eine aussagekräftige Nachhaltigkeitsberichterstattung schafft Vertrauen und beeinflusst Investitionsentscheidungen.
  • Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette und branchenübergreifende Partnerschaften sind entscheidend für den Erfolg einer nachhaltigen Agenda im Unternehmen.

Die 17 Ziele der SDG verstehen

Was sind die Sustainable Development Goals?

Die Sustainable Development Goals (SDGs) legen weltweit einheitliche Maßstäbe für Prioritäten und Ziele einer nachhaltigen Entwicklung bis 2030 fest. Sie sollen die globalen Anstrengungen zur Erreichung dieser Ziele unterstützen und werden gleichzeitig genutzt, um Volkswirtschaften, Unternehmen wie auch die Zivilbevölkerung zum Handeln anzuregen. Dieses Ziel bis 2030 ist auch "Agenda 2030" genannt. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung befassen sich mit einer Vielzahl globaler Herausforderungen, darunter die Beseitigung von Armut und Hunger, die Förderung von Bildung, die Gleichstellung der Geschlechter, die Bereitstellung von sauberem Wasser und Sanitärversorgung, die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums, die Bekämpfung des Klimawandels, der Schutz der Meere und Landökosysteme sowie die Förderung von Frieden, Gerechtigkeit und starken globalen Partnerschaften. Diese Ziele sind hoch gesteckt und erfordern gemeinsame Anstrengungen auf internationaler Ebene.

Übersicht: Sustainable Development Goals

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Business Case der SDGs

Unternehmen, die Lösungen für die Umsetzung der SDGs entwickeln, können neue Wachstumsmöglichkeiten erschließen und ihr Risikoprofil verbessern. Die SDGs bieten einen Rahmen, um Strategien, Ziele und Geschäftsaktivitäten zu gestalten, zu steuern und zu kommunizieren. Dies ermöglicht Unternehmen, zukünftige Geschäftsmöglichkeiten in Bereichen wie erneuerbare Energien, nachhaltige Technologien, Gesundheitsversorgung und Bildung zu erkennen und innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, aber auch ihr bestehendes Angebot entsprechend auszurichten. Die SDGs leiten globale Investitionen, fördern weiteres Marktwachstum und erleichtern den Zugang zu Kapital für Unternehmen mit inklusiven und nachhaltigen Geschäftsmodellen. Durch die Einbindung von Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette können Unternehmen ihren Unternehmenswert erhöhen und von finanziellen Anreizen profitieren, die umweltfreundliches Handeln belohnen, da Unternehmen ihr Risiko verringern können, Investoren verstärkt in nachhaltige Lösungen investieren und Unternehmen zudem neue Marktchancen erschließen können. Die Nutzung von SDGs als Orientierung für nachhaltiges Handeln von Unternehmen kann die Beziehungen zu Stakeholdern verbessern und bereiten Unternehmen auf zukünftige gesetzliche Anforderungen vor. Unternehmen, die sich an die SDGs anpassen, minimieren rechtliche Risiken und Rufschäden und erhöhen das Vertrauen von Stakeholdern, indem sie sich künftigen Herausforderungen vorausschauend stellen. Die SDGs bieten zudem einen verbindenden Aktionsrahmen und eine gemeinsame Sprache für effektive Kommunikation und Partnerschaften.

Priorisierung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung anhand der eigenen Wertschöpfungskette

Nicht alle der 17 SDGs sind für Unternehmen gleichermaßen relevant. Es ist wichtig, gezielt Prioritäten zu identifizieren und entlang der Wertschöpfungskette Chancen und Risiken zu erkennen. So können positive Auswirkungen verstärkt und negative Auswirkungen minimiert werden.

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Möglicherweise liegen die bedeutendsten sozialen und ökologischen Einflüsse außerhalb der direkten Kontrolle, beispielsweise durch Zulieferer. Werden SDG-sensible Faktoren entlang der relevanten Lieferketten analysiert, können sowohl positive als auch negative Auswirkungen für die Einhaltung der SDG-Ziele für Unternehmen evaluiert werden. Es ist nicht erforderlich, jedes SDG in jedem Abschnitt der Wertschöpfungskette zu bewerten, sondern vielmehr die größten potenziellen Auswirkungen zu identifizieren. Dabei sollten Unternehmen prüfen, ob ihre Kernkompetenzen, Technologien und Produkte zur Umsetzung der SDGs beitragen können oder ob ihre Geschäftsaktivitäten negative Auswirkungen auf die Ziele haben können. Dieser Ansatz ermöglicht eine auf Betriebsebene zugeschnittene Impact-Bewertung, kann jedoch auch auf Produkte, Standorte oder Regionen angewendet werden. Die Berücksichtigung des Kontexts, wie die Nähe zu Regionen mit SDG-Defiziten, ist wichtig, ebenso wie der Dialog mit externen Stakeholdern, um verschiedene Perspektiven einzubeziehen und potenzielle Auswirkungen umfassend zu verstehen. Eine interne Bewertung der Auswirkungen auf die SDGs sollte ebenfalls durchgeführt werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.

Ziele für nachhaltige Entwicklung im eigenen Unternehmen priorisieren und integrieren

Priorisierung der SDG und Entwicklungsziele festlegen

Im nächsten Schritt sollten Prioritäten für die SDGs festgelegt werden, basierend auf Kriterien wie der Schwere und Wahrscheinlichkeit von Auswirkungen sowie den Chancen für beispielsweise Ressourceneffizienz oder Wettbewerbsfähigkeit. Es ist wichtig, transparente Dokumentationen dieser subjektiven Urteile zu erstellen und diesen Prozess regelmäßig zu wiederholen, um Veränderungen zu verfolgen und im Team zu diskutieren. Es wird empfohlen, klare Ziele in allen Bereichen der Nachhaltigkeit festzulegen und Key-Performance-Indikatoren (KPIs) auszuwählen. Hierbei können Unternehmen bestehende Systeme nutzen und die SDGs als Rahmenwerk integrieren. Ein Beispiel hierfür ist das Balanced Scorecard System. Die Balanced Scorecard ist ein Framework, das Unternehmen ermöglicht, die Leistung aus vier verschiedenen Perspektiven zu bewerten und anschließend Ziele und KPIs für jeden Bereich zu entwickeln. Dieses Instrument wird in der Regel von Unternehmen auf strategischer Ebene eingesetzt. Es betrachtet die Leistung aus vier verschiedenen, aber sich ergänzenden Perspektiven:

  1. Wie sehen uns Kunden?
  2. In welchen Bereichen müssen wir herausragend sein?
  3. Wie können wir uns intern weiter verbessern und Mehrwert schaffen?
  4. Wie wirken wir auf Aktionäre und externe Stakeholder?

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Anschließend werden Ziele und KPIs in jedem Bereich gesetzt, sodass ein ganzheitliches Bild der Unternehmensstrategie entsteht.

Nachhaltigkeitsziele verankern und Fortschritt der SDGs verfolgen

Um Fortschritte in Richtung der SDGs genau zu überwachen, ist die Festlegung eines Ausgangswerts entscheidend, der verfolgt werden soll. Dieser kann mit einem konkreten Zeitpunkt oder einer Zeitspanne verbunden sein, um Verfälschungen durch kurzfristige Schwankungen zu vermeiden, wie beispielsweise die CO2-Emissionen über ein Jahr. Die präzise Festlegung des Ausgangswerts ist entscheidend für den Erfolg. Ein vages Ziel wie "klimaneutral" zu sein, ist lobenswert, aber wenig handfest und schwer auf spezifische Unternehmensbereiche anwendbar. Daher ist eine klar definierte Basis notwendig, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu steigern und die Umsetzung in konkreten Maßnahmen zu ermöglichen. Unternehmen sollten zudem zwischen absoluten Zielen, die sich auf KPIs beziehen, und relativen Zielen, die die Leistung pro Output-Einheit messen, wählen. Absolute Ziele drücken die gesellschaftlichen Auswirkungen klar aus, berücksichtigen jedoch nicht das Unternehmenswachstum. Relative Ziele, wie die CO2-Intensität, messen genauer, bieten jedoch weniger Einblick in die Ziel-Auswirkungen. Daher wird empfohlen, den angestrebten Impact transparent und genau zu beschreiben.

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in einem radikalen Modernisierungswettbewerb. Branchen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz dabei nicht berücksichtigen, werden bereits mittelfristig nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Schneidewind.png Prof. Dr. Uwe Schneidewind, ehem. wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts

Partnerschaften eingehen um nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen

Um diese Ziele zu erreichen, sind oftmals neue Prozesse, Produktionsmethoden, Zulieferer oder auch allgemeine Partnerschaften notwendig. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten mit externen Partnern zu kollaborieren:

  1. Unternehmen können durch Partnerschaften entlang ihrer Wertschöpfungskette innovative Lösungen entwickeln und gemeinsam Herausforderungen bewältigen, wie beispielsweise gesteigerte Energiekosten.
  2. Brancheninitiativen fördern gemeinsame Standards und lenken ganze Branchen in Richtung Nachhaltigkeit und können dabei helfen, neue Technologien und Praktiken zu etablieren.
  3. Multi-Stakeholder-Partnerschaften, einschließlich Regierungen, Privatsektor und NGOs, ermöglichen eine umfassende Bewältigung komplexer Herausforderungen, wie beispielsweise in den Bereichen Regulatorik oder Finanzierungen. Das Ziel ist hierbei, gesellschaftliche Herausforderungen durch langfristige Partnerschaften mit gemeinwohlorientierten Lösungen anzugehen.

Die SDGs wirken als Katalysator für solche Partnerschaften, erfordern jedoch starkes Engagement. Es werden klare Ziele der Zusammenarbeit benötigt, Kernkompetenzen müssen geteilt werden und klare Prozesse sind hochrelevant, um Partnerschaften als Erfolgsfaktor zu nutzen. Fokussierung auf Auswirkungen der Partnerschaft, Ressourcenabschätzung und Wissensmanagement zwischen den Parteien sind ebenfalls entscheidend.

Berichterstattung und Außenwirkung der Sustainable Development Goals

Berichterstattung von Nachhaltigkeit und Umsetzung der Agenda 2030

Das SDG-Ziel 12.6 fordert “Unternehmen, insbesondere große und transnationale Unternehmen, auf, nachhaltige Praktiken einzuführen und Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Berichterstattung zu integrieren”. Die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen erfordert also die Kommunikation ebendieser. Dies hat verschiedene Gründe, aber führt auch zu Vorteilen für das eigene Unternehmen. Firmen sollten eine aussagekräftige Nachhaltigkeitsberichterstattung anstreben, die in Entscheidungsprozesse integriert ist und Vertrauen nach außen wie auch in der Belegschaft schafft. So werden Fortschritte sichtbar gemacht, Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert und vor allem wird die Signalwirkung für andere Marktakteure deutlich. Auch Investitionsentscheidungen berücksichtigen zunehmend Nachhaltigkeitsinformationen und sind für den Kapitalmarkt von hoher Wichtigkeit. Neue Standards und Vorschriften sowie die Anerkennung nichtfinanzieller Daten tragen zu einer allgemeinen Verbesserung der Berichterstattungsqualität bei und stellen ein vollständigeres Bild eines Unternehmens dar. So aber werden Fortschritte sichtbar gemacht, Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert und vor allem wird eine Signalwirkung für andere Marktakteure deutlich, die hoffentlich dazu führt, dass das Thema Nachhaltigkeit für mehr Unternehmen zu einer hohen Priorität wird.

Außenwirkung von Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Demonstration eines ernsthaften Engagements für gesellschaftliche Verantwortung durch ein Unternehmen kann dazu beitragen, das Ansehen bei Kunden und Geschäftspartnern zu steigern und langfristige Geschäftsbeziehungen und Partnerschaften zu fördern. Auch kann eine Nachhaltige Arbeitgebermarke ein klares Zeichen setzen. Heutzutage trägt das Thema Nachhaltigkeit stark zur Wahrnehmung eines attraktiven Arbeitgebers bei. Auch kann dies dazu führen, dass auch im eigenen Unternehmen die Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert wird, indem die Risiken im Arbeits- und Gesundheitsschutz reduziert werden, was insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels von hoher Wichtigkeit ist. Zuletzt kann das Investieren in nachhaltiges Wirtschaften nicht nur Fachkräfte anziehen, sondern auch den Unternehmensstandort als solchen attraktiver machen. So wird auch das Image der Region gestärkt und beispielsweise die Nachhaltigkeit im Umland stärker angegangen.

Unsere Plattform bietet einen vereinfachten Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit. So stellen wir einen kostenlosen CO2-Rechner zur Verfügung, den Du nutzen kannst, um die Emissionen Deines Unternehmens zu analysieren und eine nachhaltige Strategie zu entwickeln. Wir kuratieren alle notwendigen Partner, um die Herausforderungen des Mittelstands anzugehen und Emissionen zu reduzieren. Darüber hinaus stellen wir in Kooperation mit der Commerzbank eine Plattform zur Verfügung, um unvermeidbare Emissionen zu kompensieren.

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